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Living History – Die Schlacht bei Hittin

Am 5. Juli 1187 fand bei den Hörnern von Hittin – unweit der Stadt Tiberias – die große Schlacht zwischen Saladin und den Kreuzrittern statt. Seit 2010 versucht eine Gruppe vorwiegend russischsprachiger Geschichts-Freaks jährlich das Kampfgeschehen am jeweils ersten Samstag im Juli nachzuspielen. Idee dieses „Living History“ Projekts ist es, die Geschichte nicht nur durch das Lesen von Büchern zu lernen, sondern durch die möglichst exakte Nachahmung der Ereignisse ein tieferes und realistisches Verständnis für die Geschichte zu erhalten.

Bereits zwei Tage vor dem Event machen sich die sog. „Live-Rollenspieler“ hierfür zu Fuß oder zu Pferd von der Wasserquelle in Zippori auf den Weg zum historischen Schlachtfeld. Um die Herausforderungen der Route möglichst vollkommen nachzuvollziehen, tragen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die entsprechende Kleidung (Kettenhemden, Rüstungen etc.) und Waffen wie vor 830 Jahren. Am Abend speisen sie beim Licht von Öllampen mittelalterliche Mahlzeiten und als Geschirr verwenden sie selbstverständlich Ton- und Steingefäße. Selbst die Nacht verbringen sie in extra für dieses Ereignis hergestellten Stoff-Zelten.

Höhepunkt des drei Tage dauernden Projekts ist die Nachahmung der berühmten Schlacht westlich der zwei Hörner vulkanischen Ursprungs, bei welchen sich bis heute ein großes Getreidefeld (Hittin) befindet.

Nachdem ich in den letzten Jahren öfters von diesem Ereignis gehört hatte, machte ich mich diesen Samstag mit Familie und Freunden auf den Weg, diesem Spektakel einmal persönlich beizuwohnen. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir die Hörner und warteten mit etwa 300 anderen Schaulustigen bei 40 Grad (!) auf das Kommen der Kreuzritterarmee.

Mit einiger Verspätung ging es nach Eintreffen des Heers dann auch sehr schnell richtig zur Sache: Hoch zu Ross oder als einfacher Kämpfer zu Fuß zogen das muslimische Heer und die Kreuzritter gegeneinander zu Feld, schlugen mit Schwertern aufeinander ein oder schossen mit Steinschleudern und Pfeilen in Richtung der Gegner. Die durchgängig russischsprachigen gegenseitigen Beschimpfungen wurden durch „allahu akbar“ (Gott ist der Größte) Rufe der Kämpfer Saladins unterbrochen. Was für eine Show!

Nachdem dem fliehenden König Guido von Lusignan (König von Jerusalem)
während der Schlacht das heilige Kreuz entrissen wurde, fielen dieser und Fürst Rainald von Chatillon schließlich in die Hände der Muslime.

Während Saladin beschloss, den durstigen Kreuzritterkönig zu begnadigen und ihm sogar ein gekühltes Glas Wasser anbot, hatte er mit Rainald von Chatillon, der in der Vargangenheit mehrere Waffenstillstandsabkommen gebrochen und muslimische Karawanen angegriffen hatte, weniger Mitleid. Nach einem kurzen Dialog schlug er ihm stattdessen mit gezücktem Säbel eigenhändig den Kopf ab.

Saladin wendet sich an Rainald von Chatillon:
Saladin: „Wenn ich in Deinem Gefängnis wäre, was würdest du mit mir machen?
Rainald: „Hast du noch Zweifel? Ich würde Dir den Kopf abhacken!“
Saladin: „Du – mein Gefangener – wagst es, frech und respektlos zu sein?
[Der Kopf wird abgeschlagen]

Nach der Köpfung ruft der triuphierende Saladin: „Ich möchte, dass man diesen Kopf mit dem Pferd nach Damaskus bringt, damit alle wahrhaftig Gläubigen (Muslime) sehen, dass die Gerechtigkeit siegt… Allahu Akbar“

Die Schlacht von Hittin gilt als eine der wichtigsten Schlachten des Mittelalters, da es Saladin im Anschluss dank der nunmehr weitgehend zerstörten Kreuzritter- Streitkraft innerhalb kürzester Zeit gelang, einen Großteil der Kreuzritter-Festungen einzunehmen.
Nur Akko blieb dem 2. Kreuzfahrerreich und Richard Löwenherz erhalten, bis schließlich auch dieses 1291 fiel und die Muslime die Herrschaft über das Land wieder übernahmen.

Die Living History Nachstellung ist eine (ungewollt?) witzige Rekonstruktion der Ereignisse, die man sich bei Gelegenheit durchaus anschauen sollte!

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