Behold the Man: Jesus in Israeli Art – Ausstellung im Israel Museum

Das 1965 gegründete Israel-Museum zählt zu den interessantesten Kultureinrichtungen Israel. Die archäologische Abteilung, das Jerusalemmodell und der Schrein des Buches zur Geschichte der Qumran-Funde zählen bei meinen Gästen zu den besonders populären Abteilungen. Die Dauerausstellung zur israelischen Kunst wird hingegen – besonders nach der Umgestaltung vor etwa einem Jahr – als eher langweilig empfunden wird.

Sehr spannend waren in den letzten Jahren jedoch die Wechselausstellungen und gerade die aktuelle Ausstellung zum Umgang israelischer Künstler mit Jesus erfreut sich großer Popularität.

Seit dem späten 19. Jahrhundert bis heute haben sich jüdische und israelische Künstler mit der Figur Jesu auseinandergesetzt. Die Ausstellung in Jerusalem präsentiert vielfältige und oft unerwartete künstlerische Reaktionen auf diese Frage. 150 Arbeiten sind in Jerusalem zu sehen und veranschaulichen, wie die Figur Jesu, dessen Name und Abbild für Juden lange ein Tabu war, zu einer künstlerischen Inspirationsquelle wurde. In einigen Werken wird er direkt thematisiert, häufig jedoch nur indirekt auf ihn verwiesen, um verschiedene soziale oder politische Themen anzusprechen.Im Folgenden möchte ich ein paar der präsentierten Kunstwerke vorstellen:
2 Samuel Hirzenberg - Bild
Die Ausstellung beginnt mit dem monumentale Gemälde „The Wandering/Eternal Jew“ des polninsch-jüdischen Künstlers Samuel Hirszenberg. Es entstand 1899 und wurde zum Symbol des jüdischen Leids in der Diaspora. Hirszenbergs ewiger Jude bewegt sich wie auf der Flucht in einem Wald aus dunklen Kreuzen. Er ist nur mit einem Lendenschurz bekleidet und erinnert an Jesus am Kreuz.

Nach der Staatsgründung tendierten israelische Künstler dazu, sich mit dem persönlichen Leid Jesu als Mensch und seiner universellen, ethischen Botschaft zu identifizieren.

Die Arbeit von Igael Tumarkins entstand 1984 als Reaktion auf den ersten Libanon-Krieg. Ein Feldbett deutet die Form eines Kreuzes an, auf dem die Inschrift „MITA MESHUNA“ steht. Darunter erinnert ein blau-weißes Tuch an eine zerrissene, herabhängende israelische Flagge. „Mita Meshuna“ deutet darauf hin, dass der Soldat, der einen frühen Tod stirbt von der Gesellschaft geopfert wurde und daher wie Christus das Opfer einer Kreuzigung ist.
Auch die „Beduinenkreuzigung“ (1982) des Künstlers, bestehend u.a. aus Zeltstangen eines zerstörten Beduinenlagers, klagt die israelische Gesellschaft an.

Eines der berühmtesten Werke der Ausstellung ist Adi Nes’ Foto von israelischen Soldaten, die in ihrer Anordnung an Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ erinnern. Die zentrale Figur auf dem Platz von Christus scheint nachdenklich und blickt in die Ferne. Nes zieht damit eine Analogie zwischen der israelischen Realität und der christlichen Szene. Er spielt darauf an, dass dies auch das letzte Abendmahl der Soldaten sein könnte.

Adi Nes Photo

Die Figur Jesus scheint auf auf jüdische Künstler schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt zu haben.Keine der Kunstwerke wirkt missionarisch oder deutet auf eine Überlegenheit des Christentums gegenüber des Judentums hin. Die eher negative Bezugnahme auf Jesus in frühen Kunstwerken rührt von der Gewalt, die vom Christentum in Form von Kreuzzügen oder späteren Judenverfolgungen ausging. Die viel positive Bezugnahme auf Jesus in neueren Kunstwerken zeigt uns hingegen, wie selbstkritisch die israelische Kunst mittlerweile geworden ist und wie sich das Verhältnis zum Christentum in den letzten Jahren verändert hat.

Die Ausstellung bietet damit einen spannenden, neuen Einblick in die jüdische und israelische Kunst.

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