Archiv für den Monat März 2017

Behold the Man: Jesus in Israeli Art – Ausstellung im Israel Museum

Das 1965 gegründete Israel-Museum zählt zu den interessantesten Kultureinrichtungen Israel. Die archäologische Abteilung, das Jerusalemmodell und der Schrein des Buches zur Geschichte der Qumran-Funde zählen bei meinen Gästen zu den besonders populären Abteilungen. Die Dauerausstellung zur israelischen Kunst wird hingegen – besonders nach der Umgestaltung vor etwa einem Jahr – als eher langweilig empfunden wird.

Sehr spannend waren in den letzten Jahren jedoch die Wechselausstellungen und gerade die aktuelle Ausstellung zum Umgang israelischer Künstler mit Jesus erfreut sich großer Popularität.

Seit dem späten 19. Jahrhundert bis heute haben sich jüdische und israelische Künstler mit der Figur Jesu auseinandergesetzt. Die Ausstellung in Jerusalem präsentiert vielfältige und oft unerwartete künstlerische Reaktionen auf diese Frage. 150 Arbeiten sind in Jerusalem zu sehen und veranschaulichen, wie die Figur Jesu, dessen Name und Abbild für Juden lange ein Tabu war, zu einer künstlerischen Inspirationsquelle wurde. In einigen Werken wird er direkt thematisiert, häufig jedoch nur indirekt auf ihn verwiesen, um verschiedene soziale oder politische Themen anzusprechen.Im Folgenden möchte ich ein paar der präsentierten Kunstwerke vorstellen:
2 Samuel Hirzenberg - Bild
Die Ausstellung beginnt mit dem monumentale Gemälde „The Wandering/Eternal Jew“ des polninsch-jüdischen Künstlers Samuel Hirszenberg. Es entstand 1899 und wurde zum Symbol des jüdischen Leids in der Diaspora. Hirszenbergs ewiger Jude bewegt sich wie auf der Flucht in einem Wald aus dunklen Kreuzen. Er ist nur mit einem Lendenschurz bekleidet und erinnert an Jesus am Kreuz.

Nach der Staatsgründung tendierten israelische Künstler dazu, sich mit dem persönlichen Leid Jesu als Mensch und seiner universellen, ethischen Botschaft zu identifizieren.

Die Arbeit von Igael Tumarkins entstand 1984 als Reaktion auf den ersten Libanon-Krieg. Ein Feldbett deutet die Form eines Kreuzes an, auf dem die Inschrift „MITA MESHUNA“ steht. Darunter erinnert ein blau-weißes Tuch an eine zerrissene, herabhängende israelische Flagge. „Mita Meshuna“ deutet darauf hin, dass der Soldat, der einen frühen Tod stirbt von der Gesellschaft geopfert wurde und daher wie Christus das Opfer einer Kreuzigung ist.
Auch die „Beduinenkreuzigung“ (1982) des Künstlers, bestehend u.a. aus Zeltstangen eines zerstörten Beduinenlagers, klagt die israelische Gesellschaft an.

Eines der berühmtesten Werke der Ausstellung ist Adi Nes’ Foto von israelischen Soldaten, die in ihrer Anordnung an Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ erinnern. Die zentrale Figur auf dem Platz von Christus scheint nachdenklich und blickt in die Ferne. Nes zieht damit eine Analogie zwischen der israelischen Realität und der christlichen Szene. Er spielt darauf an, dass dies auch das letzte Abendmahl der Soldaten sein könnte.

Adi Nes Photo

Die Figur Jesus scheint auf auf jüdische Künstler schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt zu haben.Keine der Kunstwerke wirkt missionarisch oder deutet auf eine Überlegenheit des Christentums gegenüber des Judentums hin. Die eher negative Bezugnahme auf Jesus in frühen Kunstwerken rührt von der Gewalt, die vom Christentum in Form von Kreuzzügen oder späteren Judenverfolgungen ausging. Die viel positive Bezugnahme auf Jesus in neueren Kunstwerken zeigt uns hingegen, wie selbstkritisch die israelische Kunst mittlerweile geworden ist und wie sich das Verhältnis zum Christentum in den letzten Jahren verändert hat.

Die Ausstellung bietet damit einen spannenden, neuen Einblick in die jüdische und israelische Kunst.

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Besuch der Ausstellung „Ofra Zimbalista – The Grand Spectacle“ im Teffen Kunstmuseum

Vor kurzem habe ich als Tourguide mit einer Gruppe das „Open Museum“ in Teffen besucht, das im schönen Norden von Israel, in Galiläa liegt. Hier ist zur Zeit eine eindrucksvolle Ausstellung der israelischen Künstlerin Ofra Zimbalista zu sehen.

Das Open Museum liegt auf dem Gelände des Industrieparks Teffen, der 1983 von dem Unternehmer Stef Wertheimer aufgebaut wurde. Auf dem etwa 30 Hektar großen Parkgelände sind Kultur und Industrie auf einem Raum vereint. Neben einem Skulpturengarten, dem Jeckes-Museum des deutschsprachigen Judentums, einem Automobil- und Industriemuseum sowie einer Kunstgalerie befinden sich hier zahlreiche exportorientierte Firmen und junge israelische „Start-Up“ Unternehmen.

Die Galerie für israelische Kunst zeigt wechselnde Einzel- und Gruppenausstellungen von sowohl jungen als auch etablierten israelischen Künstlern wie Ofra Zimbalista, der die Ausstellung „The Grand Spectacle“ gewidmet ist.

Ofra Zimbalista (1939-2014) war bereits zu Lebzeiten mit zahlreichen Ausstellungen, sowohl in Israel als auch im Ausland, unter anderem in Deutschland, Frankreich und Ungarn, erfolgreich.

Von besonderer Bedeutung waren für die Künstlerin selbst jedoch vor allem ihre Skulpturen im öffentlichen Raum, die nicht nur Kunstliebhaber, sondern ein breites Publikum ansprechen. In der Ausstellung im Norden Israels werden 100 Werke Zimbalistas gezeigt, darunter einzelne Skulpturen, Installationen und Reliefs, weibliche und männliche Figuren aller Altersgruppen.

Zimbalista arbeite bei die Formung ihrer Figuren viele Jahre mit den selben Modellen. Entsprechend zeigen ihre Skulpturen die Entwicklung des menschlichen Körpers von der Jugend bis ins hohe Alter. Am Ende der Ausstellung bleiben von den Menschen nur noch ihre hohlen Hüllen übrig. Die Körper selbst ist nicht mehr vorhanden.

Besonders spektakulär ist die Präsentation dieser Werke: so bildet die Schau die genaue Anordnung der Skulpturen im verwaisten Atelier der Künstlerin in Ashdod nach, und bietet dem Besucher so die einzigartige Möglichkeit, einen intimen Einblick in das Schaffen der Bildhauerin zu bekommen. Zimbalistas ausdrucksstarke, raumgreifende Skulpturen sind in Bewegung. Sie klettern Wände empor, hängen von der Decke herab, tanzen oder musizieren. Auch der Skulpturengarten wird in die Ausstellung mit einbezogen, so dass die Skulpturen im Zusammenspiel mit Landschaft und Architektur erlebt werden können.

Der Besuch des Industrieparks mit seinen verschiedenen Museen und besonders der Galerie für israelische Kunst ist ein tolles Erlebnis für Besucher aus aller Welt!