Archiv für den Monat Januar 2016

Elvis lebt in Abu Gosh

20160116_Elvis (1)Letzte Woche war es wieder soweit: Wie jedes Jahr versammelten sich am 8. Januar zahlreiche Fans in einem Tankstellenrestaurant neben dem kleinen arabischen Dorf Abu Gosh, ca. 15min von Jerusalem entfernt um SEINEN Geburtstag zu feiern

The King – Nein, nicht König David – the one and only – ELVIS!

Dieses Jahr wäre er 80 Jahre alt geworden!20160116_Elvis (11)

Uri Yoeli gründete das Elvis-Inn 1974 und seither entwickelte sich die kleine Raststätte in den judäischen Bergen zum Pilgerort von Elvis-Verehrern aus aller Welt. Zu seinen Gästen zählten in den vergangen Jahren Sylvester Stallone, Joe Cocker, Sting und sogar der zweite King der Popgeschichte Michael Jackson!

Und ein Besuch lohnt sich auch heute noch: Bereits vor dem Restaurant begrüßen zwei 4 und 5m hohe Elvis-Statuen die Besucher und laden zum Essen ein. Die Gaststätte selbst schmücken über 1700 Elvis-Photos und Hunderte mehr oder weniger kitschige Elvis-Tassen, Aschenbecher und Magneten aus aller Welt. An einigen Tischen sitzen lebensgroße Elvisfiguren und während im Hintergrund die Elvis Platten hoch und runter gespielt werden, fühlt man sich in die 50er Jahre zurückversetzt.

20160116_Elvis (3)Beim Hamburger (oder doch lieber dem Teller mit orientalischem Hummus-Kichererbesenbrei) mag sich da der eine oder andere die Frage stellen: „Ist er wirklich tot oder ist etwas dran an der Theorie, sein Tod wurde vom FBI (oder doch dem KGB?!) nur inszeniert? Die Zweifel werden gestärkt durch die Elvis-T-Shirts am Ausgang des Restaurants mit der Aufschrift: „I saw Elvis at…“ mit Bildern der Popikone an der Klagemauer oder am Strand von Tel Aviv.

Wer Lust auf Elvis-Doubles mit Hüftschwung, Hosenanzug und den obligatorischen Koteletten hat: Am 16. August jährt sich der Todestags Elvis Presleys und dann heißt es im Elvis Inn wieder:

Der King ist tot, lang lebe der King

 

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Tiraz – Palästinensische Stickereien im Museum für Islamische Kunst

20160110_111104Das Museum für Islamische Kunst in Jerusalem zeigt in seiner neuen Wechselausstellung kunstvoll bestickte Hochzeitskleider palästinensischer Frauen aus den Jahren 1880 – 1948. Die Kleider stammen aus der Sammlung Manuel Kleidmans und werden erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Traditionell erlernten junge Mädchen bereits im Alter von 10 Jahren die palästinensische Stickkunst. Die Kleider, auf Arabisch Thob genannt, waren meist aus schwarzem Stoff gefertigt und reichten vom Oberkörper bis zu den Füßen. Entsprechend dauerte die Verzierung des Kleides oft viele Monate. Der Wert dieser Stickkunst lässt sich auch daran ermessen, dass das Brautkleid oft das wichtigste Kleidungsstück der Aussteuer war und nach der Hochzeit nur noch zu ganz besonderen privaten oder öffentlichen Festen getragen wurde.20160110_111111
Gleichzeitig ermöglicht eine genaue Betrachtung dieser Trachten Rückschlüsse auf die Herkunft und finanzielle Situation der Familien. Beduinische Mädchen im Süden des Landes, die oft als Schaf- und Ziegenhirtinnen viel Zeit hatten, investierten weit mehr Zeit in die Verschönerung ihrer Kleider als Mädchen in den Galliläischen Bergen, die durch Landarbeit zeitlich weit mehr eingebunden waren.

Das hier zu sehende weiße Kleid stammt von einer wohlhabenden Christin aus Ramallah und besticht durch seinen Münzschmuck. Interessanterweise nutzte die Familie neben osmanischen Münzen auch Münzen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie – ein besonderer Weg, den Wohlstand der Familie zu präsentieren. Die Kopfbedeckung auf dem Foto links darunter besteht komplett aus Münzen und wiegt etwa 8kg!

20160110_111128Normalerweise findet sich ein Großteil der Stickereien auf dem Brustbereich und an der Unterseite des Kleides. Neben geometrischen Formen und Pflanzenornamentik erkennt man Stickereien vom Halbmond, von Sternen und Wellen. Die traditionelle Vorstellung war, dass die Darstellung positiver Naturkräfte die Braut vor bösen Dämonen und dem sogenannten „Bösen Blick“ schützen könnte. Eine ähnliche Funktion erfüllten gestickte Tierdarstellungen.

Neben den Stickereien gab es natürlich auch qualitative Unterschiede bei der Wahl der Materialien. Das rechts unten abgebildete sehr wertvolle Kleid aus feinem Atlas-Stoff 20160110_111235wurde durch eine kunstvoll gestaltete Burka ergänzt. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Burka wie auch die Stickereien im Brustbereich weniger der Verhüllung der Frau dienen, als vielmehr ihre Attraktivität verstärken sollten.

Die Ausstellung ist bis Ende März im Islamischen Museum zu sehen.

L. A. Mayer Museum für islamische Kunst
HaPalmach St 2
Jerusalem, 91040