Arbeitsmigranten in Israel

Obwohl Israel seit der Staatsgründung ein Einwanderungsland ist, war das Thema Arbeitsmigration bis in die 90er Jahre hinein eine zu vernachlässigende Kategorie. Zwar gab es auch hier unterbezahlte Tätigkeiten, zum Beispiel in der Landwirtschaft wie auch im Baugewerbe. Diese wurden jedoch oft von Juden, die ursprünglich aus orientalischen Ländern stammten (sog. Mizrachim) oder nach 1967 von palästinensischen Arbeitern aus den besetzten Gebieten verrichtet. Diese pendelten täglich oder wöchentlich ins israelische Kernland. Nach dem ersten Golfkrieg 1991 und insbesondere nach dem Ausbruch der zweiten Intifada 2000 riegelte die israelische Armee aus Sicherheitsgründen das Westjordanland und den Gazastreifen immer häufiger ab, sodass Palästinenser als billige Arbeitskräfte nicht mehr in Betracht kamen. Aufgrund des neu entstandenen Arbeitskräftemangels wurden seit den 90er Jahren Arbeitsmigranten aus Übersee eingestellt. Für den Bausektor wurden insbesondere Arbeiter aus Rumänien, China und der Türkei angeworben, für den Pflegebereich sind heute vor alles Frauen aus den Philippinen, aus Nepal und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion tätig. Mittlerweile leben über 200.000 ArbeitsmigrantInnen in Israel – viele davon ohne legalen Aufenthaltstitel, da ihr Arbeitsvisa abgelaufen ist, sie eine Rückreise in die Heimat jedoch nicht antreten wollten. In einer rechtlich prekären Situation sind auch deren bereits in Israel geborene Kinder, die sich schon als Israelis verstehen und nicht in die Heimatländer ihrer Eltern zurückkehren möchten. Zur Frage des Umgangs mit solchen Migranten und insbesondere mit den hier geborenen Kindern wurde in Israel in den letzten Jahren eine sehr engagierte Debatte geführt. Die heutige Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat diese “Illegalen”.vor kurzem als einen „threat to the economy, society, security and demographic fabric on which the state of Israel is based“ bezeichnet. Eine Mehrheit der Regierungskoalition spricht sich heute für eine Abschiebung auch von Kindern aus, eine Forderung, die von Teilen der Oppositionsparteien scharf kritisiert wird. NGOs wie Kav Laoved, The Mesila Aid & Information Center der Stadtverwaltung Tel Aviv, die Hotline for Migrant Workers und die Physicians for Human Rights engagieren sich für die politischen Rechte wie auch medizinische Versorgung dieser Arbeitsmigranten. Kritisiert wird u.a., dass bereits die Anwerbung neuer Arbeitskräfte im Ausland durch private „Manpower“-Unternehmen unter menschenverachtenden Bedingungen geschieht. Auf den Internetseiten der erwähnten NGOs finden sich zahlreiche Informationen über die prekäre Situation, in welcher sich diese Menschen heute befinden. Ziel der oben genannten und vieler weiterer NGOs ist, den Arbeitsmigranten dabei zu helfen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten. Obwohl es viele Gruppen gibt, die sich politisch für diese Minderheiten engagieren, bin ich bei meiner Recherche nur auf sehr wenige pädagogische Programme gestoßen, die sich mit dem Abbau von Vorurteilen gegenüber ArbeitsmigrantInnen beschäftigen. Stattdessen versuchen alle diese Projekte, die Möglichkeit der Selbstbestimmung im Leben dieser Menschen oder Gemeinschaften zu erhöhen.

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